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Das Phänomen der Filterblase

Autor: Hannah Reuter, FIRMENPUNKT GmbH

Es ist ein eigentlich uraltes Phänomen. Beschrieben werden kann es auch mit dem Sprichwort "Gleich und Gleich gesellt sich gern". Auf Neudeutsch nennt es sich "The Filter Bubble" und wird oftmals als Internet- oder Social-Media-Phänomen bezeichnet.

FilterblaseDoch kann man das alte Phänomen nun einfach der Digitalisierung unserer Welt zu schreiben?

Es ist Samstagmorgen. Ein Auto hupt vor meiner Haustür. Aus dem Küchenfester sehe ich schon den eingeklemmten Fanschal des 1. FC Kaiserslautern aus der Scheibe hängen. Im Vorbeigehen greife ich meinen eigenen Schal und die darauf liegenden Tickets. Meine Mutter reicht jedem von uns noch eine Flasche Wasser. Gemeinsam verlassen mein Bruder und ich das Haus und steigen in den dunklen Golf vor der Tür. "Und auf geht's! Heute holen wir uns die drei Punkte!", sagt der dunkel haarigen Junge, seine Name ist Tobias, am Steuer des Wagens und tritt auf's Gaspedal. Mit unfassbaren 30km/h biegen wir aus der Straße hinaus.

So sah ein ganz normaler Samstagmorgen aus, bevor ich das Saarland verließ. Der 1. FCK, damals noch nicht im Keller der zweiten Bundesliga, sondern im Aufstiegskampf zur ersten, gestaltete sich als gemeinsame Leidenschaft vieler meiner Freunde. Wir litten zusammen und feierten gemeinsam die Siege. Bei jedem Spiel, galt die Devise "wir gegen die". Die Fanrufe wurden besonders laut beim Spiel K'Lautern gegen Mainz. "Wir sind die Lautrer. Wir hassen Mainz. In unserm Land sind wir die Nummer eins!" - schallte es bereits im Auto, sobald wir auf der Autobahn einem gegnerischen Fan begegneten. Es war ein einfaches Prinzip, mit Herzblut auf dem Betze zu stehen und die Mannschaft, die unten auf dem Platz einem Ball hinter rann zu feiern.

Verlor der Lautrer FC ein Spiel, so geschah genau das, was ich besonders an unseren Fans schätzte. Gemeinsam standen wir in den Gängen des Fritz-Walter-Stadions und beurteilten das Spielverhalten der Mannschaft. "Die Mannschaft war einfach schlecht heute." Es war nicht die Schuld des Schiedsrichters, es war nicht die Schuld der Gegner, sondern unsere eigene. Wir, die sich mit der Mannschaft identifizierten, gaben uns selbst die Schuld am Spiel- und Punkteverlust.

Fassen wir das mal zusammen - wir bildeten eine Filterblase, in die nur Menschen mit der gleichen Ansicht über den 1. FCK gelassen wurden, wir sangen radikale Fangesänge, feierten unsere Erfolge, doch was passierte nicht? Trotz den besten Voraussetzungen radikalisierten wir uns nicht. Die Rheinland-Pfälzische Polizei fand die Samstage auf oder am Fuße des Betzeberges immer beinahe langweilig. Das spannendste seien die Fans, die sie anquatschten und fragten wo denn der nächste Parkplatz sei. Auf dem Betze wurde nur selten geprügelt. Auf dem Betze wurde Bengalos verachtet. Hier gab und gibt es keinen Raum für ein kulturelles "Wir und Ihr" zwischen den eigenen Fans. Wir waren und sind immer alle eins.

Aber ich möchte hier kein Loblied auf die Fans des 1. FCK singen, auch wenn die schon echt toll sind. Das ganze steht nur exemplarisch.

Filterblasen gibt es auch außerhalb Facebooks und ohne den Einfluss des Algorithmus. Es kommt nur darauf an, was wir daraus machen.

Natülich erleichtert Facebook es extrem, sich immer nur aus den gleichen Quellen zu informieren und dementsprechend auch die immer gleichen Kommentare von den immer gleichen Leuten mit dem immer gleichen Gedankengut wahrzunehmen. Doch wir sind nicht ohnmächtig gegen diese Filterblasen. Eine ausgewogene Mischung an Informationsquellen lässt sich auch über Facebook erreichen, wenn man denn so will und manchmal wüde es uns auch ganz gut tun, das weiße f auf dem dunkelblauen Grund geschlossen zu lassen und sich aus den klassischen Medien zu informieren.

Nicht immer sind neue Medien oder die digitale Zukunft Schuld an diversen Phänomenen, nur weil sie fancy englische Namen tragen du oftmals gibt es neue Erscheinungen schon viel länger, als wir eigentlich annehmen.

Es liegt nur in unserer Hand, zu entscheiden wie wir mit der Zukunft umgehen werden. Machen wir sie verantwortlich für persönliche Verfehlungen oder nutzen wir ihre Chancen um das Beste daraus zu machen?

Die Entscheidung darüber, die Filterblase platzen zu lassen, liegt bei jedem einzelnen.

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