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"Übermenschentum" der Medien

Autor: Hannah Reuter, FIRMENPUNKT GmbH

Wer hat es in den letzten Tagen nicht gesehen, wie Jogi Löw sich vor hunderten Kameras in die Hose griff? Überall prangert das intime Bild und selbst der Spiegel postet bei Facebook „Es gibt ein Video, das zeigt, wie Bundestrainer Löw im, äh, Mittelfeld taktisch verschiebt.“ (Post vom 12. Juni, 23.56 Uhr) Sie selbst wollen dieses Video nicht zeigen, aber dafür eine Heatmap des Trainers vom Spiel. Warum genau Spiegel Online das ganze veröffentlicht bleibt schleierhaft.

Aber wer entscheidet eigentlich darüber was morgens in unseren Zeitungen steht?
Oder was wir während unserer Mittagspause zu lesen bekommen?

Es sind die Journalisten, die in den Redaktionen sitzen. Dort wird entschieden wann was wo landet. Genau dort wird auch entschieden, was von den Menschen als wichtig empfunden wird und was nicht, über was am nächsten Tag diskutiert werden soll und welche Informationen man den Lesern gibt.

Die Medien werden oft als die vierte Gewalt im Staat bezeichnet. Grundlegend stimmt das auch. Die Medien bieten den Menschen durch ihre Berichterstattung an, sich über den funktionierenden Staatapparat zu informieren und sich eine objektive Meinung zu bilden.

Und da sind wir schon an einem wichtigen Punkt gelandet: Die Medien BIETEN es AN. Dieses Angebot muss auch von den Rezipienten genutzt werden. Also praktisch gesehen sind nicht die Medien die vierte Macht im Staat, sondern die Menschen selbst. Und auch auf die Frage hin wer die Medien kontrolliert bleibt nur die Antwort: das Volk.

Wir bestimmen durch unser Nutzerverhalten welchen Medien wir wie viel Macht zu sprechen. Eine Zeitung, die niemand liest, kann noch so wichtige Beiträge schreiben. Sie werden dennoch nicht gesehen.

Und diese Entwicklung ist momentan deutlich zu erkennen. Die Art der Mediennutzung verschiebt sich schon seit einigen Jahren ins Internet. Es wird immer schneller, immer mehr und immer gröber gelesen. Man ist informiert. Grundlegend. Über die Details wissen nur noch wenige Menschen Bescheid. Deswegen sind auch immer weniger Menschen bereit Geld für informierende Medien zu bezahlen. Warum auch? Man bekommt doch alles kostenlos über Internet und Fernsehen geliefert.

Das Publikum interessiert sich immer weniger für die Medien selbst. Es wird sozusagen medienverdrossen. Das Vertrauen in die Medien ist erschüttert. Im Februar waren laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach drei Viertel der Deutschen der Meinung, dass die Medien kein korrektes Bild vom Bildungsniveau und des Familienstandes von Flüchtlingen liefern.

Journalisten selbst sehen das anders. Oft hört man in Gesprächen mit Journalisten den Satz „Wir sind objektiv.“ Nein, kein Journalist ist durchweg objektiv und die Subjektivität wird durch so viele Faktoren sichtbar. Die Satzstellung, zum Beispiel verrät oft, was einem Journalisten wichtiger ist. Wie er bei einem Vergleich zwei Dinge gewichtet und so beeinflussen Journalisten auf unbewusste und unterschwellige Art ihre Leser.

Es ist wichtig den Menschen bewusst zu machen, dass zwar der Anspruch an Journalisten angelegt wird objektiv zu sein und „über den Dingen zu schweben“, aber das kann niemand. Auch Journalisten sind nur Menschen und auch wir versuchen nur unseren Lesern das nahezubringen, was uns selbst wichtig ist und worüber wir die Leser informieren wollen.

Nein, auch Journalisten sind keine „Übermenschen“.

Ihre FIRMENPUNKT GmbH.